Business Value: So priorisieren Entscheider wirksam
Business Value ist keine Zahl, die ein Product Owner aus dem Bauch heraus vergibt. Er ist eine Entscheidungshilfe: Welches Ergebnis soll eine Initiative für Kunden und Unternehmen erzeugen, wie sicher ist diese Annahme und was kostet die Umsetzung?
In vielen Backlogs stehen Features mit einem Wert von 1 bis 10. Diese Skala kann die Diskussion ordnen. Sie ist aber kein Geldbetrag. Wer einen Wert von 10 mit einer erwarteten Umsatzsteigerung von 50.000 Euro multipliziert, erzeugt keinen Business Case, sondern eine Scheingenauigkeit.
Für eine belastbare Priorisierung stelle ich fünf Fragen. Welches konkrete Problem lösen wir? Wer profitiert davon? Welche messbare Veränderung erwarten wir? Welche Kosten und Risiken entstehen? Und was passiert, wenn wir die Entscheidung verschieben?
Der Nutzen kann in zusätzlichem Umsatz, geringeren Kosten, vermiedenen Risiken, besserer Qualität oder kürzeren Durchlaufzeiten liegen. Manche Effekte lassen sich in Euro schätzen, andere zunächst nur als überprüfbare Hypothese formulieren. Beides ist erlaubt, solange die Annahmen offenliegen.
Ein einfaches Beispiel: Ein Team erwartet durch eine Prozessänderung jährlich 50.000 Euro weniger Bearbeitungskosten. Dem stehen 20.000 Euro einmaliger Aufwand und 5.000 Euro laufende Kosten pro Jahr gegenüber. Vor einer Freigabe prüft die verantwortliche Führungskraft, ob die Einsparung tatsächlich realisierbar ist, wann sie eintritt und welche Abhängigkeiten bestehen. Ein abstrakter Prioritätswert wird dabei nicht zum Multiplikator der Euro-Schätzung.
In Scrum verantwortet der Product Owner die Reihenfolge des Product Backlogs. Den geschäftlichen Nutzen kann er aber nicht allein festlegen. Fachbereiche, Finance, Betrieb und Kunden liefern die Informationen; die Business Owner treffen die wirtschaftlichen Entscheidungen. Gerade bei SAP-Transformationen muss klar sein, wer Prozessnutzen, Datenqualität und tatsächliche Nutzung verantwortet.
Mein Rat: Trennt relative Priorisierung und monetäre Bewertung. Nutzt eine nachvollziehbare Skala für die Reihenfolge, einen gesonderten Business Case für Investitionen und Reviews für die Überprüfung der Wirkung. Wenn sich Annahmen ändern, ändert sich auch die Priorität. So wird aus Business Value eine Steuerungsgröße statt einer Zahl im Backlog.



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